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Lambertus Apotheke

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Behandlung hyperkinetischer Störungen im Kindesalter mit Methylphenidat

Über riskanten Umgang mit Medikamenten wissen wir noch immer zu wenig, insbesondere in der Gruppe von Kindern und Jugendlichen. 17 % der Frauen und 12 % der Männer geben an, im letzten Monat Medikamente mit psychoaktiver Wirkung eingenommen zu haben. Auch die Verschreibung von Medikamenten an Kinder mit "hyperkinetischen Auffälligkeiten" (sog. Zappelkinder) ist in den letzten Jahren - von einem niedrigen Niveau - deutlich angstift_13x18cmestiegen (von etwa 2.500 behandelten Kindern im Jahr 1990 auf über 40.000 in 1999) Hier ist umstritten, ob eine sorgfältige therapeutische Begründung wirklich in allen Fällen vorliegt.

Kinder mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen sind in ihrer psychischen Entwicklung, schulischen und beruflichen Bildung sowie sozialen Integration gefährdet. Übermäßige motorische Unruhe, gestörte Aufmerksamkeit, Impulsivität und leichte Erregbarkeit erschweren die Lebensführung, so daß der Leidensdruck groß ist. Die Störung hat Krankheitswert, sie ist deshalb von der WHO in den Katalog der seelischen Erkrankungen aufgenommen worden.

Alle Verhaltensmerkmale können aber auch Symptome organischer oder anderer psychischer Erkrankungen sein. Somit ergibt sich immer eine differentialdiagnostische Aufgabe und zur Diagnostik sind körperliche, einschließlich laborchemische, neurologische und psychodiagnostische Untersuchungen sowie Verhaltenseinschätzungen mit eingeführten Skalen notwendig. Immer sind organische Ursachen auszuschließen. Bleiben z.B. Störungen des Sozialverhaltens, umschriebene Entwicklungsstörunge n (z.B. der Sprache, des Lesens und Rechtschreibens), Störungen der Intelligenzentwicklung, andere psychische Erkrankungen oder auch Anpassungsreaktionen n auf aktuelle Lebensbelastungen unbeachtet, so ist dies gleichbedeutend mit der Gefahr verkürzter lndikationsstellungen oder Unterlassungen für die Behandlung. Die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens bedarf gesonderter Beachtung und Klassifikation.

Abweichend von den bewährten, wissenschaftlich abgesicherten Grundlagen und Empfehlungen für die Behandlung hyperkinetischer Störungen bei Kindern wird in Deutschland von einigen Ärzten eine sog. Hochdosistherapie mit Methylphenidat in Dosierungen, die über 60 mg, z. T. über 100 mg liegen, empfohlen und durchgeführt, so daß die Dosierung von 1,0 mg/kg/Tag überschritten wird. Begründet wird die Überschreitung der empfohlenen Dosis mit dem Hinweis auf persönliche Erfahrungen mit hyperkinetisch gestörten Kindern, bei denen die medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat in regelrechter Dosierung versagt und die Hochdosierung den gewünschten Erfolg gebracht hätte.

Wissenschaftlich ist nicht belegt, daß Dosierungen oberhalb von 1 mg/kg/Tag Aufmetaschenlamperksamkeit und Gedächtnis verbessern; vielmehr wächst die Gefahr des Auftretens erheblicher und z. T. bedenklicher körperlicher und psychischer Nebenwirkungen

Die Behandlung von Kindern mit hyperkinetischen Störungen sollte nur erfolgen, wenn sie sich auf eine Diagnostik stützt, die sich auf Untersuchungsbefunde zu störungsrelevanten körperlichen, kognitiven und psychischen Funktionen sowie sozialen Bindungen bezieht. Deshalb sind eine somatisch-neurologische Untersuchung (Körpergröße, Körpergewicht, Herzfrequenz, Blutdruck), eine Labordiagnostik (Differentialblutbild, Elektrolyte, Leberstatus, Schilddrüsen und Nierenfunktionswerte) ein Ruhe-EEG und eine kognitive Leistungsdiagnostik unerlässlich. Notwendig ist eine orientierende Familiendiagnostik und Verhaltensanalyse.

Die Regeln für Indikation, Durchführung und Überwachung der Stimulantienbehandlung sind einzuhalten. Die medikamentöse Behandlung - wenn indiziert - ist Teil psychotherapeutischer und spezifisch pädagogischer Betreuung des Kindes in Kooperation mit Familie und ggf. mit Kindergarten, Schule und anderen, das Kind betreuenden Einrichtungen. Die bloße Beschränkung auf die Pharmakotherapie mißachtet elementare Bedürfnisse und Ansprüche der Kinder und widerspricht den Regeln guter klinischer Praxis ebenso wie das Diagnostizieren oder Rezeptieren ohne Untersuchung.

Die ärztliche Therapiekontrolle hat regelmäßig Essverhalten, Wachstum, Herz- und Kreislauffunktionen sowie die allgemeine Verhaltensentwicklung (Auftreten von Tics?) zu überwachen, letzteres  unter Einsatz von eingeführten Skalen zur Verhaltenseinschätzung.

Die Behandlung von Kindern mit hyperkinetischen Störungen wird in Deutschland sehr unterschiedlich gehandhabt. Einer weit verbreiteten pauschalen Ablehnung jeglicher medikamentösen Behandlung auf der einen Seite stehen Ansätze gegenüber, die von der empirisch begründeten Praxis ins andere Extrem abweichen. Im Interesse der betroffenen Kinder und ihrer Familien sehen sich die Deutschen Gesellschaften für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, der Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Deutschland und die Bundesarbeitsgemeinschaft der leitenden Ärzte kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen veranlasst, sowohl den grundsätzlichen Verzicht auf Behandlung mit Methylphenidat, die ausschließliche Behandlung mit Methylphenidat ohne begleitende psychotherapeutische Interventionen sowie die Hochdosisbehandlung mit Methylphenidat als unzureichende Behandlungsstrategien abzulehnen und an die Pflicht zu erinnern, in der Pharmakotherapie von Kindern mit Methylphenidat naturwissenschaftlich begründete Regeln einzuhalten.

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* Nicht alle ADHS-betroffenen Kinder brauchen eine medikamentöse Therapie. Sprechen Sie mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt oder Ihrem Kinder- bzw. Jugendpsychiater.

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