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Lambertus Apotheke

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Schweißdrüsen arbeiten auf Hochtouren
 
Hyperhidrosis (Übermäßige Schweißabsonderung) ist nicht in einem Satz zu definieren. Allgemein gültig ist sicher die Beschreibung, dass es sich um eine Schweißproduktion handelt, die das zur Wärmeregulation nötige Maß bei weitem übersteigt. Diese Erklärung berücksichtigt allerdings nicht, dass sich hinter der Hyperhidrosis vielfältige Erscheinungen mit körperlicher und/oder psychischen Ursachen verbirgt. Es können hier Störungen des Stoffwechsels, der Nervenleitung oder der Drüsen vorliegen. Entweder am gesamten Körper oder örtlich, beispielsweise an den Handinnenflächen oder den Fußsohlen. Mit regelmäßigem Duschen oder Parfümieren ist es hier nicht getan: Es handelt sich vielmehr um eine behandlungsbedürftige und nicht gerade seltene Erkrankung. Schätzungen zufolge sind rund eine Million Deutsche im wahrsten Sinne des Wortes laufend schweißgebadet. Vermutlich gibt es ob der Scham, darüber zu sprechen, eine hohe Dunkelziffer.

 Der Mensch wird mit rund zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen geboren. Pro Quadratzentimeter Haut drängeln sich im Durchschnitt 50 bis 339 Drüsen. die meisten sind in die Handinnenflächen und die Fußsohlen eingebettet, weniger finden sich am Kopf, Stamm und den Extremitäten. In der Schweißrinne des Rückens liegen beispielsweise etwa 55 Drüsen auf einem Quadratzentimeter. Der gesunde Erwachsene scheidet unter extremen Hitzebedingungen rund ein bis zwei Kilogramm Schweiß pro Stunde aus.

Die Schweißdrüsen zeichnen für den Großteil der Schweißmenge verantwortlich und übernehmen einen wichtigen Part in der Wärmeregulation des Organismus. Manche sind entwicklungsgeschichtliche Überbleibsel, die im Tierreich für Partnerwahl und Rangordnung zuständig sind. Da ihr Sekret nach bakterieller Zersetzung den charakteristischen Schweißgeruch verbreitet, werden sie auch als Duftdrüsen bezeichnet. Unbewusst spielen sie wohl auch bei der Partnerwahl des Menschen eine Rolle: »Den kann ich nicht riechen«.

 Interessant: Nach neueren Untersuchungen nehmen Frauen, die peroral verhüten, Schweißgerüche beim Mann anders wahr als ohne Pille. Das betrifft vor allem Düfte, die sexuelles Verlangen auslösen. Zudem wirken Frauen, die kurz vor dem Eisprung stehen, auf Männer begehrenswerter als Frauen in einer anderen Phase des Zyklus. Grund sind spezielle Duftstoffe, die in der Zeit um den Eisprung im Scheidenschleim vorkommen. Solche Duftdrüsen finden bevorzugt in den Achselhöhlen, im Genital und Analbereich, an den Brustwarzen und am behaarten Kopf.

Im Hypothalamus sitzt das Steuerzentrum der Wärmeregulation, gewissermaßen der Thermostat. Zahlreiche Wärmefühler, die die Kerntemperatur registrieren, helfen ihm bei seiner Aufgabe. Zusätzliche Informationen holt der Hypothalamus mit Unterstützung der über 30 000 Wärmefühler der Haut ein. Im thermoregulatorischen Zentrum wird die tatsächliche Körpertemperatur, der Istwert, mit dem Sollwert ständig abgeglichen. Bei Differenzen erfolgt eine Korrektur. So stellen sich bei Wärme von außen oder innen die Gefäße weit, und Schweißperlen drängen sich durch die Hautporen. Das sorgt für die notwendige Verdunstungskälte. Letztendlich funktioniert die Wärmeregulation des Körpers wie eine Klimaanlage.

Weder mangelnde Hygiene noch kosmetisches Problem

Der Übergang von normaler zu vermehrter Schweißabsonderung ist fließend. Nicht unerheblich ist sicherlich, wie belastend die Betroffenen ihre feuchte Begleitung empfinden.

Schweißsekretion kann durch den Genuss heißer, saurer und scharf gewürzter Speisen hervorgerufen werden. Geschmacksschwitzen kann sich einerseits ganz harmlos am Kopf, symmetrisch an der Oberlippe, an der Stirn oder den Wangen zeigen. Krankhaft ist Geschmacksschwitzen, wenn große Hautflächen, meist halbseitig, in Mitleidenschaft gezogen sind und der Betroffene zusätzlich durch Schmerzen, Hautrötung und Gefühlsstörungen behindert ist.

Übermäßige und häufige Transpiration kann auch ein Symptom einer Reihe von Krankheiten sein Die Hyperhidrosis dient dann bei der Diagnose gewissermaßen als Wegweiser zur Grundkrankheit. Als normal gilt Schwitzen bei Anstrengung, Sport und Hitze. Verschiedene Faktoren pfuschen dem Thermostaten im Hypothalamus ins reibungslose Geschehen. So beeinflussen Pyrogene auf Grund eines akuten Infektes die Thermoregulation. Hinter den Hitzewallungen in den Wechseljahren stecken vermutlich Hormonabbauprodukte, die an zentraler Stelle Einfluss auf den Temperatur Sollwert nehmen. Die Empfindlichkeit der Schweißdrüsen wird dadurch erhöht, und die Schweißproduktion entgleist. Auch die übermäßige Ausdünstung von Adipösen (krankhaft Übergewichtigen) ist nicht krankhaft, da es sich eigentlich nur um eine Wärmeregulierung handelt. Dadurch wird einerseits die erhöhte Wärmeproduktion des Übergewichtigen ausgeglichen, die durch die höhere körperliche Belastung entsteht, und zum anderen die durch die isolierende Fettschicht verminderte Wärmeabgabe außen über das Gefäßsystem ausgeglichen.

Übrigens: Auch Arzneistoffe kommen als Übeltäter für die vermehrte Schweißsekretion in Frage. Pilocarpin als Parasympathomimetikum greift die Schweißdrüsen direkt an und stimuliert sie. Daher wird Pilocarpin in experimentellen Studien eingesetzt, um die Schweißsekretion zu imitieren. Auch die Arzneistoffe Cinnarizin, Tamoxifen, Penicillin, Acetylsalicylsäure oder Vitamin B können Schweißausbrüche als Nebenwirkung mit sich bringen.
Übermäßiges Schwitzen kann krank machen

Das wichtigste Krankheitsbild ist die lokalisierte Form, die sich unter den Armen, an Händen und Füßen breit macht, entweder kombiniert oder auch jeweils einzeln. Häufig besteht gleichzeitig eine generell erhöhte Bereitschaft zum Schwitzen. Die Probleme beginnen meist in der Pubertät. Der Schweregrad ist individuell unterschiedlich, es kann von unangenehmer Feuchtigkeit bis zum Abrinnen des Schweißes in Bächen reichen. Eine erbliche Komponente wird ebenso diskutiert wie die Zugehörigkeit zum seelisch nervlichen Syndrom. Denn eins ist augenscheinlich: Die Schwitzattacken werden durch emotionale Ereignisse ausgelöst, und seien sie noch so unbedeutend. Hinzu kommt, dass die Schweißdrüsen in den Achseln, an den Händen und Füßen vornehmlich auf emotionale Reize reagieren.

Den Betroffenen sind die feuchtkalten Hände beim Händeschütteln oder der penetrante Achselschweißgeruch hochnotpeinlich. Aus Angst, entlarvt zu werden, geraten sie in einen Teufelskreis. Der Leidensdruck treibt den Schweiß nämlich erst recht aus den Poren. Stress verursacht Schwitzen und Schwitzen wiederum Stress. Beweis für die Beteiligung der Psyche: Im Schlaf kommt emotionales Schwitzen vollends zum Erliegen. Das tägliche Schweißbad beeinträchtigt die Betroffenen in ihrer Lebensqualität ganz außerordentlich

Hyperhidrosis kann zusätzlich krank machen. Am stärksten ist wohl die Psyche in Mitleidenschaft gezogen, aber das Dauerschwitzen geht auch an der Beschaffenheit der Haut nicht spurlos vorbei. Das ständig feuchte Milieu lässt eine Reihe von Hautkrankheiten erblühen. Bakterien, Pilze und Viren finden ideale Wachstumsbedingungen und fassen rasend schnell Fuß. So schlagen sich beispielsweise Menschen, die zum Schweißfuß neigen, besonders oft mit Fußpilz herum. In Hautfalten wie Achselhöhlen, Leisten und Analfalte quillt der Schweiß die Hornschicht auf; überdurchschnittlich oft machen sich bei Hyperhidrotikern Entzündungen, allergische Ekzeme und auch Neurodermitis breit. Auch Unverträglichkeitsreaktionen, beispielsweise auf Deos, Antitranspiranzien oder Intimpflegemittel, treten gehäuft auf.

Örtliche Behandlung

Schweißgebadeten kann heute durchaus geholfen werden vorausgesetzt der krankhafte Zustand wird erkannt und die vielen Therapieoptionen werden maßgeschneidert eingesetzt. Für leichtere Formen des Hand, Fuß und Achselschweißes eignen sich Gerbstoffbäder oder Puder (Eichenrinde oder Deodoranzien.

.Ist die Hyperhidrosis nur schwach ausgeprägt, rückt man ihr am besten mit intensiven hygienischen Maßnahmen zu Leibe. Folgende Tipps sollten auch zum Basisprogramm des stärker Transpirierenden gehören:

    * Täglich Duschen oder Waschen mit Deoseifen oder Syndets.
    * Deoseifen sollten am besten bakterizide Zusätze enthalten.
    * Regelmäßig die Achselhaare rasieren. So unterbindet man das Wachstum der Bakterien.
    * Deodoranzien in Form von Pumpspray, Stift oder Roller können den Schweißgeruch für eine gewisse Zeit überdecken. Die Schweißmenge wird durch Deos jedoch nicht reduziert! Achtung: Gefahr von allergischen Kontaktekzemen!
    * Puder auf Talkum Basis saugen den Schweiß auf, binden dadurch Körpergeruch und beugen Schwitzflecken vor.
    * Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Viskose verhindern Wärmestau.
    * Schuhe aus Leder, im Sommer Sandalen, sind atmungsaktiv. Täglicher Strumpfwechsel ist selbstverständlich.
    * Auf heiße Speisen und Getränke sowie scharf Gewürztes verzichten. Es kann auch derjenige viel schwitzen, der wenig trinkt!
    * Vermeidung von Stress, Erlernen von autogenem Training, Yoga. Psychovegetatives Training ist gerade für das emotionale Schwitzen eine wichtige Therapiekomponente.
    * Wechselbäder, duschen und Saunabäder mit Frischluft scheinen sich auf das vegetative Nervensystem günstig auszuwirken. Menschen, die unter einer wärmebedingten oder emotionalen Hyperhidrosis leiden, profitieren von diesen Anwendungen.


Bei leichter bis mäßiger Hyperhidrosis machen Antitranspiranzien ihrem Namen alle Ehre. Sie hemmen nicht nur die Schweißproduktion, sondern wirken auch antimikrobiell. Sie enthalten meist Aluminiumsalze die in Form von Rollstiften, Sprays oder Cremes zum Einsatz kommen. Am wirksamsten scheinen Aluminiumsalze in einer Konzentration von rund 20 Prozent in Ethylalkohol zu sein. Manche Patienten müssen die Behandlung allerdings wegen starker Hautirritationen abbrechen. In manchen Fällen ist eine 10prozentige wässrige Lösung ein hautverträglicher Mittelweg.

Die Aluminiumsalze diffundieren in die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und schädigen durch Komplexbildung zwischen den Metallionen und den Mucopolysacchariden die Oberfläche der unverhornten Zellen der Ausführungsgänge. So bildet sich ein festhaftender Pfropf, der erst im Zuge der Epidermisregeneration nach etwa zwei bis drei Wochen abgestoßen wird. Dann ist die ursprüngliche Funktion der Schweißdrüse wieder hergestellt. Wird allerdings die Behandlung konsequent alle paar Tage fortgesetzt, verkümmern nach vielen Monaten die Drüsenzellen, so dass der Schweregrad der Hyperhidrosis abnimmt. Tipp: Die Aluminium-Präparate nachts auftragen, da sich die emotionale Schweißdrüsenaktivität nachts beruhigt. So ist gewährleistet, dass die Aluminiumverbindung ausreichend tief in die Haut diffundieren kann und nicht gleich wieder von der Haut geschwemmt wird.

Erst nach fünf bis acht Monaten, wenn neue nervöse Ausläufer mit neuen Vesikeln ausgesprosst sind, setzt die Schweißbildung langsam wieder ein. Dann kann die Behandlung wiederholt werden. Der größte Vorteil dieser Methode liegt darin, dass Nebenwirkungen nicht ins Gewicht fallen, vor allem scheint kompensatorisches Schwitzen nur leicht oder kaum aufzutreten. Zudem sind Wirkung und somit auch Nebenwirkungen zeitlich begrenzt.

Bei schwachen Schwitzattacken lohnt sich ein Versuch mit Salbei-Extrakt-haltigen Dragees. Salbeis Vorteil: seine geringen Nebenwirkungen. Vor allem eignet sich das pflanzliche Antihydrotikum bei emotionaler Auslösung als Überbrückungshilfe, bis autogenes Training erste Erfolge zeigt. Schwere Schwitzstörungen behandelt man mit Anticholinergika.

Strom gegen Schweißfuß

Selbst bei extremer Ausprägung von Hand und Fußschweiß hat sich die Leitungswasser-lontophorese therapeutisch bewährt und ist auch bei Langzeitanwendung im allgemeinen gut verträglich. Sie ist die Standardtherapie für dieses Krankheitsbild in Deutschland. Für die Behandlung des Achselschweißes ist sie weniger geeignet, da die Applikation der Elektroden in den Achselhöhlen Schwierigkeiten bereitet.

Bei der Leitungswasser-Iontophorese werden flache, mit Leitungswasser gefüllte Schalen mit den elektrischen Polen einer Gleichstromquelle verbunden und der Stromkreis durch Eintauchen der Hände oder Füße geschlossen. Es ergibt sich dabei ein Stromfluss durch die gesamten Handflächen beziehungsweise Fußsohlen. Die Stromstärke ist optimal, wenn der Patient ein schwaches, angenehmes Kribbeln verspürt (rund 15 mA). Anfangs sollte die Iontophorese mindestens dreimal pro Woche für etwa 15 Minuten angewendet werden. Nach etwa zwölf Behandlungen hat sich die Feuchtigkeitsabgabe der Haut meist normalisiert, dann  eine Anwendung pro Woche aus. Der genaue Wirkungsmechanismus ist bislang nicht geklärt. Bekannt ist nur, dass Strom die Schweißabsonderung bremst, ohne die Drüsen zu schädigen.

Nachteile des Verfahrens sind der große Apparate und zeitliche Aufwand sowie die Beschränkung der Behandlung auf Hand und Fußflächen. Hautkliniken und viele niedergelassene Dermatologen bieten die lontophorese an. Manche Krankenkassen bewilligen ein Heimgerät, wenn die Behandlung unter regelmäßiger Kontrolle des Hautarztes erfolgt.

Operation nur in Extremfällen

Deutschlands Dermatologen sind sich einig: Operationen sollten nur für die schwersten Fälle der Hyperhidrosis erwogen werden. Übrigens sehen das auch die Dermatologen in den USA so. Die damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen liegen auf der Hand: Die angepeilten Nervenfasern sind nicht nur für den Schwitzvorgang zuständig, sie vermitteln auch Druck, Berührungs oder Schmerzempfinden. Deshalb lässt die Operation gelegentlich Gefühlsstörungen, Schmerzzustände im Versorgungsgebiet des unterbrochenen Nervs und manchmal paradoxerweise Geschmacksschwitzen zurück.

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